Beispiele gesucht: Unverhältnismässige Bürokratie durch Bankenregulierung

‚One size fits all‘ funktioniert in der EU- Bankenregulierung nicht. Das hat sich herumgesprochen – aber wo und wie genau funktioniert es nicht? Der grüne EU-Parlamentarier Sven Giegold möchte dies in Form einer Expertenkonsultation herausfinden.

Er ruft Bankexperten auf seiner Website auf, ihm möglichst konkrete Beispiele einer unverhältnismässigen Belastung aus der Berufspraxis zuzusenden und stellt in Aussicht, alle Einsendungen auszuwerten und diese an die zuständigen europäischen Institutionen heranzutragen. Alle das europäische Recht betreffende Anliegen sollen an folgende Emailadresse gesendet werden: anue.aporue.lraporue@dlogeig.nevs. Stichtag für die Einsendung ist der 07. Oktober 2016.

Als bisherigen Erfolgsausweis bringt Giegold das Beispiel des zentralen Kreditregisters AnaCredit, dessen Datensammelwut  durch Einlenken der EZB gemäßigt werden konnte und damit den Verwaltungsaufwand bei kleineren Banken reduzierte.

Zum Hintergrund:

Seit Zuspitzung der Finanzkrise wurden über 400 europäische Gesetze und dazugehörige Durchführungsbestimmungen erlassen oder grundlegend reformiert.  Von Anfang an gab es – insbesondere aus der deutschen Sparkassenlandschaft und den Genossenschaften heraus – Beschwerden, dass die neuen Regulierungsvorhaben mit Blick auf die grossen Institute verabschiedet worden seien und die kleineren Banken über Gebühr belasten würden.

Eine Rückkehr zu nationalen Auslegungen der EU-Bankenregulierung lehnt Giegold ausdrücklich ab.

 

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 19.09.2016

 

 

 

 

Ein Stups reicht nicht aus

Vielleicht bin ich altmodisch, aber von einer BWL-Lehrstuhlinhaberin hätte ich mir eine ausführlichere und nüchterne Faktenbasis gewünscht. Was Evi Hartmann, Professorin für Supply Chain Management an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, in ihrem Buch Wie viele Sklaven halten Sie? Über Globalisierung und Moral präsentiert, ist eine Empörungstirade. Und die hält sie konsequent über 224 Seiten durch.

Hartmann U1 16.09.2015.indd Lies mehr …

Wie Banken die Entwaldung finanzieren

38 Mrd. US-Dollar haben Banken und Investoren in den vergangenen fünf Jahren  in südostasiatische Unternehmensaktivitäten gesteckt, die mit einem Entwaldungsrisiko verbunden sind. Die Entwaldung und Waldschädigung ist eine Folge der wachsenden Palmölindustrie, aber auch der traditionellen Bereiche der Holzverarbeitung: Geschäfte mit Tropenhölzern, Papier und Zellstoff sowie Kautschuk.

Dass die Erde seit dem Jahr 2000 mehr als eine Million Quadratkilometer tropischen Regenwaldes verloren hat, ist nichts Neues. Südostasien ist einer der „hot spots“ dieses Trends, zu deren bekanntesten Begleiterscheinungen Landvertreibung, Gefährdung der Biodiversität und eine Verschärfung des Klimawandels gehören. Neu ist, dass eine Website akribisch aufzeigt, welche Rolle die Finanzwelt bei der Entwaldung in der südostasiatischen Region spielt: http://forestsandfinance.org/.

Die Website ist das Ergebnis einer Kooperation mehrerer Organisationen, unter anderm dem Rainforest Action Network, TuK Indonesia und Profundo aus den Niederlanden. Profundo hat bereits die Kampagnenseiten des Fair Finance Guide methodisch unterstützt.

Dass die Rohdaten und deren Herkunft für Auswertungen kostenlos zur Verfügung gestellt werden, gefällt mir besonders gut. Das ist eine gute Ausgangsbasis für Investoren, NGOs und Journalisten, die der ein oder anderen Aktivität nachgehen wollen.

Die Website stellt insgesamt drei Tools zur Verfügung:

  • eine Datenbank der relevanten Geschäftsfälle (ab 2010),
  • Scorecards je Bank, die einen Überblick über die Existenz und Einhaltung relevanter Policies gibt,
  • konkrete Beispiele zu gravierenden Fällen von Entwaldung und Menschenrechtsverletzungen.

Ich fand die Online-Filtermöglichkeiten etwas träge. Man kann die Rohdaten aber auch als csv-File runterladen.

Ziel der Online-Tools ist zu zeigen, dass Banken die ESG-Standards, die die spezifischen Risiken der Forstwirtschaft berücksichtigen, in ihre Kredit- und Anlagepolitik mit aufnehmen und in der operativen Umsetzung kontrollieren.

Das Beispiel der Credit Suisse zeigt, dass dies nicht ganz einfach ist. Obwohl die Schweizer Grossbank ausreichend Reglemente, die eine schädigende Abholzung verhindern sollen, verabschiedet hat und auch allen wichtigen internationalen Abkommen zum Schutz der Tropenwälder beigetreten ist, stehen in ihren Büchern doch über eine Milliarde US-Dollar an Finanzmitteln, die sie an die sensitive Forstwirtschaft Südostasiens vergeben hat. Da scheint es doch noch Lücken in der Umsetzung zu geben. Immerhin erhält die CS 20 von möglichen 30 Punkten im Ranking. Besser schneiden nur die ABN Amro und die Rabobank ab. Wesentlich unkontrollierter fliesst Geld aus Malaysia, China, Japan und Indonesien in die ausgewählten Firmen der Forstwirtschaft. Die dortigen Banken haben den grössten Nachholbedarf bei der Einführung von ESG-Standards.

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Unternehmenskredite und Underwriting pro Geberland und Sektor (in Mrd. US-Dollar)

 

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 06.09. 2016

 

 

 

Bald geht es weiter

Nach etwas längerer Pause geht es bald weiter auf dem Blog der Vorbänker. Ich habe ein paar Wirtschaftsbücher auf dem Schreibtisch liegen, die ich demnächst hier vorstellen möchte.

Für die Pause gab es mehrere Gründe. Zum einen war ich seit Mai viel unterwegs und mit anderen Themen beschäftigt. Zum anderen hatte ich auch das Gefühl, dass es nichts wesentlich Neues zum Thema „Ethical Banking“ zu berichten gibt.

  • Auf EU-Ebene rückte das Thema der Bankenregulierung angesichts vieler anderer Krisenthemen auf die hinteren Ränge.
  • Das Thema Nachhaltigkeit im Finanzsektor ist präsent, zeigt aber kaum neue Impulse. Ich sehe wenig Sinn darin, die x-te Neuauflage diverser Strategiepapiere zu nachhaltigen Geldanlagen zu kommentieren, wenn ich nur wiederhole, was ich letztes Jahr schon geschrieben habe. Zu viel kalter Kaffee. Was ganz gut zu laufen scheint, sind die Aktivitäten zum Paris Pledge.
  • Viele Kunden schimpfen über ihre Bank und deren Gebaren im Finanzgeschäft. Nur wenige lassen dieser Kritik Taten folgen. Ich kenne keine Kampagne, keine NGO, der es in grossem Stil gelungen wäre, Bankkunden für einen kritischen Umgang mit ihrer Bank zu mobilisieren. Auch für uns Vorbänker bleibt diese Aktivierung ein schwieriges Thema. Immerhin ist der Artikel über die ethischen Schweizer Banken einer der meist gelesenen des Blogs. Interesse am Thema ist also da. Wie viele Kunden die Bank wechseln, weil sie mit der ökologischen und sozialen Performance ihrer jetzigen Bank nicht zufrieden sind, ist allerdings schwer zu sagen. Abstrakte Geldgeschäfte haben wohl nicht den besten emotionalen Hebel, um die Welt besser zu machen. Vielleicht habt ihr ein paar positive Beispiele oder Ideen, wie diese Mobilisierung gelingen könnte? Bei den Institutionellen geht doch auch immer mehr.
  • Das Niedrigzinsumfeld macht es den ethischen Banken, die vom traditionellen Spar- und Kreditgeschäft leben, nicht einfach. So musste die Alternative Bank Schweiz AG als erste Bank in der Schweiz für ihre Kunden Negativzinsen einführen. Bisher hat die Bank diese Änderung gut überstanden. Neue Kunden konnten gewonnen werden. Auch die Ertragslage  verbesserte sich, weil die Kunden ihre Gelder in Folge der Konditionenänderung in andere Anlageformen umgeschichtet haben. Die deutsche GLS Bank führt ab November 2016 aus demselben Grund höhere Gebühren sowie ab 2017 einen Grundbeitrag ein. Ich bin gespannt, wie die meist preissensiblere deutsche Kundschaft damit umgeht.
  • „Fintech“ finde ich eine sehr spannende Sache, da ich selber aus der Bankeninformatik komme. Ich verfolge die Aktivitäten, finde das Thema derzeit bei anderen noch besser aufgehoben😉.

 

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 02.09.2016

 

 

Wird das Gemeinwohl wirksam geschützt?

Suleika Reiners, Mitglied von Finance Watch, hat  einen guten Gastbeitrag zur notwendigen EU-Finanzmarktreform in der Frankfurter Rundschau veröffentlicht.

Sie zeigt anhand mehrerer Beispiel Regulierungslücken auf und plädiert ganz klar dafür, die Eigenkapitalquote für Banken zu erhöhen. Die derzeitigen Vorgaben reichen nicht aus, das Gemeinwohl vor möglichen Missständen des Finanzsektors zu schützen.

Anlass des Artikels ist eine öffentliche Anhörung der EU-Kommission über die bisherige Finanzmarktreform am heutigen Tag in Brüssel. Die Branche klagt über eine zu grosse Regulierungslast.

Hier geht es zu ihrem Beitrag: Fit für eine wirksame Finanzmarktreform.

 

Barbara Bohr, 17.05.2016 (ebenfalls Mitglied bei Finance Watch)

Vernissage: Tsüri verändern

Das Buch des Netzwerks „Kulturbande“ zum kulturellen Wandel in Zürich ist fertig. Teresa, Patrick (Herausgeber) haben zusammen mit Marius (Grafik) und Roshan (Fotos) Portraits von 51 Menschen, die sich durch Initiativen, Projekte oder Aktionen an der Veränderung der Gesellschaft beteiligen, dokumentiert.

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von links nach rechts: Patrick, Marius, Teresa, Roshan (©Kulturbande)

Auch die Vorbänker sind dabei!

Das Buch „Tsüri verändern“ wird am 25.05.2016 ab 19 Uhr in der Photobastei (Sihlquai 125, Zürich) vorgestellt. Die Vernissage ist öffentlich. Interessierte sind herzlich willkommen.

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Das Buch kann bereits jetzt über den Webshop bestellt werden. Geliefert wird es ab Juni 2016. Im Buchhandel erscheint das Buch ab Juni 2016.

Barbara Bohr, 09.05.2016

 

 

 

Event-Tipp Uni Zürich: Microfinance Day, 19.04.2016

Am 19.04.2016 findet der erste Mi-Fi-Day an der Universität Zürich statt. Der Event geht der zentralen Frage nach, ob Mikrokredite und andere Finanzdienstleistungen nachhaltig Armut bekämpfen, und kann daher als Einführung in die Thematik gesehen werden.

Die Studierendenorganisation «Mifi» richtet den Anlass erstmalig aus. Die Organisation hat sich zum Ziel gesetzt, den Dialog zwischen Studierenden und der Welt der Mikrofinanz zu verstärken.

Das Programm für den 19. April 2016 umfasst eine Messe, in der sich mehrere Schweizer Akteure vorstellen, einen Einführungsvortrag, mehrere Workshops und eine Podiumsdiskussion. Ich werde die Diskussion moderieren.

 

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Die Event-Sprache ist Englisch.

Barbara Bohr, 15.04.2016

 

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